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Der AWH ist keine anerkannte Rasse und somit gibt es keine Zuchtrichtlinien wie wir das von anerkannten Hunderassen her kennen. Genau genommen sind die Amerikanischen Wolfhunde Wolfhundmischlinge.
Anerkannte Wolfhund-Rassen sind in unseren Breitengraden nur die Tschechoslowakischen Wolfhunde und die Sarloos Wolfhunde. Ursprünglich entstand der AWH in USA aus Verpaarungen von Wölfen, meist Timberwölfen, mit Malamuten, Schäferhunden oder Huskys.
Oftmals werden die Tiere auch als Wolfshybriden bezeichnet.
Durch die verschiedenen Verpaarungen sieht man den Amerikanischen Wolfhund in diversen Fell- und Augenfarben sowie in unterschiedlichen Größen. Rüden können gut und gerne eine Schulterhöhe von 70 bis 85 cm haben, die Mädchen sind etwas kleiner. Fellfarben in wolfsgrau, schwarz, schwarz-grau, grau-weiß, grau-braun, weiß-grau-braun – fast alles ist möglich. Die Augen können gelb, bernsteinfarben oder blau sein.

Ist der Amerikanische Wolfhund ein Hybrid?
Die Definition Hybrid sagt aus: “aus Verschiedenartigem zusammengesetzt.”
Grundsätzlich ist das beim AWH nicht stimmig, denn ein Wolf wie auch ein Hund ist von der Gattung her gesehen ein Canis lupus und damit artgleich oder zumindest artähnlich. Einmal handelt es sich um den Canis lupus (Wolf) und einmal um den Canis lupus familiaris (Haushund).
Oftmals wird die Benennung als Hybrid mit der Aussage: “diese Tiere wissen nicht was sie sein sollen – Hund oder Wolf” unterstrichen. Diese Aussage hat wenig Grundlage sonst hätte ein Mischlingshund zwischen Jagdhund und Hütehund dasselbe Problem – soll er nun jagen oder lieber hüten?
Die Haltung aus rechtlicher Sicht
In Deutschland gibt es nicht sehr viel zu beachten. Es gibt eine konkrete Richtlinie, die besagt:
Ab der 5. Generation (nach dem letzten eingekreuzten reinen Wolf) handelt es sich um “normale” Haushunde. Tiere in der 1 bis zur 4. Generation gelten als Wildtiere und es ist eine Sondergenehmigung zur Haltung erforderlich. Diese ist nicht einfach zu bekommen und an eine Vielzahl von Auflagen gebunden.
Zu beachten ist allerdings, dass der Amerikanische Wolfhund in einigen Ländern nicht gehalten werden darf.
Die Haltung in der Realität
Auch wenn der AWH rechtlich ab der 5. Generation als Haushund zählt, ist er nicht immer mit einem Haushund zu vergleichen.
Eine maßgebliche Rolle in der Entwicklung und im Verhalten des Tieres spielt der tatsächliche Wolfanteil, die Welpensozialisierung und natürlich das Umfeld in dem es aufwächst und lebt. Je nach Wolfanteil sollte die Scheue, die gleichzeitige Eigenständigkeit und die Intelligenz nicht unterschätzt werden.
In Bezug auf den Wolfanteil der Wolfhunde wird in drei Sparten unterteilt: Low Content, Middle Content und High Content. Ein Low-Content-Tier hat bis zu 39%, ein Middle-Content-Tier 40 bis 75% und ein High-Content-Tier 75 bis 98 % Wolfanteil.
Es sollte bedacht werden, dass unsere “normalen” Haushunde immer näher zum Menschen gezüchtet wurden und damit eine Art “Grundvertrauen” zum Menschen in die Wiege gelegt wurde. Mit der Einkreuzung eines Wolfes wurde diese Eigenschaft wieder ein großes Stück zurückgesetzt.
Ganz wichtig: ein Wolfhund ist kein Hund, der mal so als Familienmitläufer gehalten werden kann. Dafür sind seine Ansprüche zu hoch.
Ein Wolfhund ist ein anspruchsvolles Familienmitglied, das ernstgenommen werden will, das seine Aufgabe in der Familie übernehmen möchte und das mit Respekt und Verständnis behandelt werden möchte, sollte das Zusammenleben positiv und glücklich verlaufen.
Grundsätzlich sollte er nicht mitten im Wohngebiet und schon überhaupt nicht in einer Wohnung gehalten werden, das passt nicht zu seinem Naturell. Er bellt nicht, wenn der Wolfanteil etwas höher ist, aber sein Heulen kann selbst weiter entfernte Nachbarn erheblich im Schlaf stören. Paarungszeiten und Vollmondnächte können dadurch etwas lauter werden.
Ein größeres, sehr gut gesichertes Grundstück muss ihm auf jeden Fall zur Verfügung stehen und man sollte bedenken, dass diese Tiere recht nachtaktiv sein können.
Da der Wolfhund ein sehr soziales Tier ist und seine Wolfsvorfahren in Familienverbänden leben, ist es auch für ihn wichtig, dass er einen Sozialpartner aus dem Bereich Artgenossen hat. Freundschaft, Spielen bis ins hohe Alter (eine Art Jagdtraining/Jagdspiel), Fürsorge gegenüber dem Sozialpartner etc. ist dabei für ihn sehr wichtig. Dinge, die der Mensch nicht in dieser Form geben oder bieten kann. Auch gewährleistet diese Partnerschaft, dass er nie ganz alleine bleiben muss, wenn der Mensch mal weg muss. Alleine bleiben ist sonst eine mittlere Katastrophe für ihn. Notfalls sucht er sich „Notausgänge“, an die man nicht wirklich denkt, denn da ist der AWH ein wahrer Künstler und auch Klettermeister.
Beachten sollte man bei der Wahl des Sozialpartners, dass Wolfhunde ab der Geschlechtsreife nicht immer mit gleichgeschlechtlichen Artgenossen harmonieren und dass Wolfhündinnen häufig ein Problem mit männlichen Kastraten haben.
Bei AWHs mit höherem Wolfanteil werden die Fähen bzw. Hündinnen nur einmal im Jahr läufig. Meist im Spätherbst bzw. Winter. Das ist auch die Zeit in der die Rüden hormonell am aktivsten sind. In der restlichen Zeit des Jahres interessieren sie sich eher wenig für die Damen, auch haben die High-Content-Rüden im Sommer wesentlich kleinere Hoden. Im Herbst schwellen sie an und parallel steigt das Interesse an den Mädchen. „Low Content Rüden“ können eher wie unsere Haushunde „immer“ und es kann sein, dass die Mädels 2 mal läufig werden. Es gibt auch Fälle bei denen der Zyklus von 1 mal im Jahr auf 2 mal im Jahr wechselt.
Umgang und Erziehung
Oft liest oder hört man, AWHs wären nicht erziehbar – das ist natürlich nicht so. Im Gegenteil, sie sind super intelligent und haben eine sehr gute Auffassungsgabe.
Allerdings denken sie mit und unterscheiden klar: was macht Sinn und was nicht – zumindest in ihren Augen.
Mit Druck und Härte können sie nicht umgehen, da beißt man als Halter generell auf Granit. Im Gegenteil, sie können sich dann schnell zurückziehen und das Vertrauen verlieren. Ohne Vertrauen wird ein gutes Zusammenleben definitiv nicht funktionieren.
Man muss sich auch nicht verstellen, denn der Wolfhund kennt seinen Menschen schneller in und besser als der Mensch seinen AWH. Sie sind super sensibel, erkennen sofort wenn unsere Geduld am Ende ist, unsere Gedanken ganz woanders sind und und und…..
Auch bei Begegnungen auf Spaziergängen „lesen“ sie fremde Menschen und Hunde blitzschnell. Sie wissen sofort was oder wen sie vor sich haben und verhalten sich entsprechend.
Hat man ein gutes Vertrauensverhältnis zu seinem Wolfhund aufgebaut, respektiert man seinen individuellen Charakter, hört ihm zu und kooperiert mit ihm, kann man sich kaum einen loyaleren, fürsorglicheren, aggressionsfreieren „Hund“ an seiner Seite vorstellen als den AWH.
Auf Spaziergängen hat man mit ihm den besten Scout, Frühwarner und Situationsbewerter dabei, den es geben kann. Seine Kommunikationsfähigkeit ist enorm und er wird sie verstärkt einsetzen, wenn er merkt, dass man ihm zuhört.
Er zeigt sich unterwegs stets aufmerksam. Er fragt nach, wenn ihm unklar ist ob sein Verhalten okay ist. Er sagt vorher Bescheid, wenn ihn etwas überfordert bevor er eskaliert. Er nervt nicht, wenn man mal keine Zeit hat und mit etwas anderem beschäftigt ist, er wartet geduldig „bis er dran ist“.
Kurzum, beim Wolfhund geht alles über Vertrauen und gegenseitigem Respekt. Passt das, geht fast alles – fehlt das, geht fast nichts.
Schwierig werden, je nach Höhe des Wolfanteils, größere Menschenmengen, sehr viel Trubel, lautes Geschrei – das würde jedes Wildtier sehr gerne meiden, so auch der Wolf und mit ihm der Wolfhund.
Anfassen und Streicheln von fremden Menschen lehnt der Amerikanische Wolfhund grundsätzlich ab. Sollte er sein Gegenüber erstmal beschnuppern dürfen und ihn für gut befinden, dann geht er selbst auf den Menschen zu und signalisiert, streicheln wäre ausnahmsweise okay. Ansonsten geht er lieber in seinen Individualabstand, der je nach Einschätzung des Fremden bei 1 bis 10 Meter liegen kann.
Futterneid kennt der Amerikanische Wolfhund innerhalb seines Familienverbundes grundsätzlich nicht. Er achtet eher darauf, dass Alle etwas abbekommen. Überfressen oder dick futtern wird er sich nie. Satt ist satt und dann bleibt der Rest über oder wird für schlechtere Zeiten vergraben. Außerhalb der eigenen Familie kann das schnell anders aussehen, da passt er schon sehr gut auf seine Ressourcen auf.
Zu Hause in seinem Sicherheitsbereich kann er sehr albern sein, Blödsinn machen ist ja so toll und er hat auch in diesem Bereich einen Einfallsreichtum über den man staunen und schmunzeln kann.
Er hat eine kaum endende Ausdauer, wenn er meint, dass es Sinn macht – er kann aber auch mal den ganzen lieben langen Tag einfach nur faul im Grundstück liegen und vor sich hindösen. Dennoch wird ihm niemals etwas Wichtiges entgehen.
Ernährung und Pflege
Bei der Ernährung ist schon wieder deutlich der Wolfanteil zu erkennen, denn die liebste Speisekarte enthält Teile von Beutetieren. Ein Stück rohes Fleisch mit Knochen, damit man auch beim Fressen arbeiten kann, ist für den AWH schon ein echtes Highlight. Natürlich gehören auch Innereien, Fellteile, Fett, Knorpel und das in großen Brocken, zum Speiseplan dazu. Rehwild, Damwild, Rind, Schaf und Ziege sowie Geflügel wird sehr gerne genommen.
Gemüse, Beilagen etc., darauf verzichtet er gerne, genau wie auf Fertignahrung egal welcher Art. Der Amerikanische Wolfhund ist keinesfalls der Fast Food – Esser und er ist auch kein Vegetarier.
Fellpflege wird im Frühjahr fällig, denn da wird massenweise Fell vom Winter abgeworfen und man fragt sich ernsthaft wo das ganze Fell war. Manchmal hofft man, es möge noch ein wenig „Hund“ übrig bleiben am Ende😊
Ist das Winterfell abgelegt, ist das Fell eher wenig pflegebedürftig. Ab und an mal mit der Bürste durch und gut. Außer beim Fellwechsel im Frühjahr haart er kaum.
FAZIT
Für die Haltung eines AWH sollte man sehr viel Geduld, Liebe, gute Nerven und natürlich Zeit haben. Super wichtig ist auch ein großer Koffer voller Ruhe, Humor und Gelassenheit.
Ein Amerikanischer Wolfhund ist eine Persönlichkeit, die man nicht „hält“ sondern mit der man lebt! Eher ein Partner mit dem man viel lernt und erlebt, wenn man hinschauen und beobachten kann und möchte.
Er ist bereit viel Liebe, Loyalität und ehrliche Freundschaft zu geben – jedoch nicht in Form einer Einbahnstraße. Er ist kein Mitläufer auf Gedeih und Verderb, kein Höriger oder Untertan.
Wer einen „nebenbei“ Hund oder gar ein Statussymbol sucht, sollte sich anderweitig umsehen und die Finger von einem Wolfhund lassen. Dafür ist er definitiv nicht geeignet.
Beitrag: Ursula Abt
Bilder: Ursula Abt
