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In der Welt der Hundeernährung – und ganz besonders beim BARFen (Biologisch Artgerechtes Rohes Futter) – gelten Innereien als das absolute „Superfood“. Sie stecken voller Nährstoffe, die in normalem Muskelfleisch kaum vorkommen. Doch im Netz kursiert hartnäckig die Behauptung, dass ein Hund jeden Tag Innereien im Napf braucht.
Stimmt das wirklich? Und was passiert, wenn wir es zu gut meinen? Ein Blick auf die Natur, die Biologie und die Nährstoffe zeigt, wie viel Innereien ein Hund tatsächlich benötigt.
Der Blick in die Natur: Fressen Wölfe jeden Tag Innereien?
Ein häufiges Argument für die tägliche Fütterung von Innereien ist der Wolf als Vorfahre unseres Hundes. Doch wer das Jagdverhalten von wilden Caniden
(Hundeartigen) genau betrachtet, merkt schnell, dass die Theorie der „täglichen Innerei“ hinkt.
Wenn ein Wolfsrudel ein Beutetier erlegt, werden die Innereien (allen voran die Leber) meist sofort und als Erstes von den ranghöchsten Tieren gefressen. Ein einzelner Wolf frisst sich also einmalig an den Organen satt. Danach ernährt sich das Rudel über Tage hinweg fast ausschließlich von Muskelfleisch, Sehnen, Knorpel und Knochen. In der Natur gibt es keine tägliche, grammgenaue Portionierung von Innereien. Der Wolfskörper ist darauf ausgelegt, Vitamine in der Leber über Wochen zu speichern und in mageren Zeiten davon zu zehren.
Nährstoff-Bomben: Was liefern Leber, Niere und Co. wirklich?
Innereien sind keine einfachen Fleischstücke – sie sind hocheffiziente Chemiefabriken und Speicherorgane im Körper. Sie liefern lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe, die für die Blutbildung, das Immunsystem und die Zellreparatur des Hundes unverzichtbar sind.
- Die Leber (Der Vitamin-König): Sie ist das nährstoffreichste Organ überhaupt. Die Leber liefert extrem hohe Mengen an Vitamin A (wichtig für Augen und Haut), B-Vitaminen (besonders B12 für die Nerven), Eisen, Kupfer und Zink.
- Die Niere (Der Selen-Lieferant): Nieren enthalten viel hochwertiges Eiweiß, sind fettarm und liefern neben B-Vitamine vor allem viel Selen (ein wichtiges Antioxidans zum Schutz der Zellen) und Natrium.
- Die Milz (Der Eisen-Speicher): Da die Milz ein blutbildendes Organ ist, liefert sie dem Hund enorme Mengen an natürlichem, leicht verfügbarem Eisen sowie Kalium.
- Herz und Magen (Sonderstatus): Das Herz ist rein biologisch ein Muskel und zählt beim Barfen oft nicht zu den klassischen Innereien, liefert aber wertvolles Taurin. Pansen und Blättermagen enthalten vorverdaute Pflanzenreste, die gut für die Darmflora sind.
Die Gefahr im Napf: Warum weniger oft mehr ist
So gesund diese Nährstoffe auch sind: Zu viele Innereien schaden dem Hund massiv. Wer der Empfehlung folgt, jeden Tag Innereien zu füttern, riskiert eine chronische Überversorgung, die den Körper krank macht.
Die Vitamin-A-Überdosierung (Hypervitaminose A)
Im Gegensatz zu wasserlöslichen Vitaminen (wie Vitamin C) kann der Körper fettlösliche Vitamine wie Vitamin A nicht einfach über den Urin ausscheiden. Überschüssiges Vitamin A wird in der Leber des Hundes gespeichert. Wird täglich zu viel Leber gefüttert, kommt es zur Vergiftung. Die Folgen sind Knochenwucherungen, Gelenkschmerzen, Wirbelsäulenveränderungen, Haarausfall und schwere Leberschäden.
Belastung der Entgiftungsorgane
Leber und Nieren sind die Haupt-Entgiftungsorgane des Beutetiers. Obwohl die Schadstoffbelastung bei Tieren aus biologischer oder artgerechter Haltung gering ist, belasten zu große Mengen an Innereien den Stoffwechsel des Hundes. Zudem enthalten Innereien viele Purine. Ein Zuviel davon erhöht den Harnsäurespiegel und kann zu Nieren- und Blasensteinen führen.
Der „Innereien-Durchfall“
Innereien haben eine andere Gewebestruktur als Muskelfleisch. Sie sind sehr weich und enthalten viel Glykogen. Bekommt ein Hund zu großen Mengen auf einmal oder täglich zu viel davon, reagiert der Darm fast immer mit heftigem, oft dunklem „Innereien-Durchfall“.
Wie oft denn nun? Zweimal die Woche reicht völlig!
In der modernen Hundeernährung hat es sich in der Praxis absolut bewährt, die Innereien-Portionen nicht auf sieben Tage aufzuteilen, sondern an zwei Tagen in der Woche zu füttern.
- Der Vorteil: Der Magen-Darm-Trakt des Hundes wird an den restlichen Tagen geschont. Die Leber speichert die Vitamine problemlos ab und gibt sie nach und nach an den Körper ab – genau wie in der Natur beim Wolf.
- Die Faustformel: Beim klassischen BARF machen Innereien (Leber, Niere, Milz im Mix) etwa 15 % des tierischen Anteils aus. Wenn man diese Wochenmenge halbiert und auf zwei feste Tage verteilt (z.B. Dienstag und Freitag), ist der Hund perfekt versorgt, ohne dass es zu einer gefährlichen Überdosierung kommt.
Also fassen wir zusammen-ja, Innereien sind absolut gesund und für eine ausgewogene, frische Ernährung des Hundes unersetzlich. Aber sie müssen mit Verstand gefüttert werden. Die pauschale Aussage, dass Hunde jeden Tag Innereien brauchen, ist ein Mythos, der zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Mit einer gezielten Fütterung an zwei Tagen pro Woche schützt du deinen Hund vor Vitamin-Vergiftungen und versorgst ihn dennoch mit allem, was er für ein langes, gesundes Leben braucht.
Sollte Dein Hund unter einer Histaminintoleranz leiden oder eine geschwächte DAO haben, dann solltest Du auf Innereien füttern absolut verzichten.
